Die erste Tour behandelt die Siedlungen um Hebron herum wohingegen es bei der zweiten
Tour direkt nach Hebron hineingehen wird – seid also gespannt!
PS: Wem das zu viel Text ist und die Geschichte, Siedlungspolitik etc. nicht lesen will – unten gibt’s Fotos!
Anmerkung am Rande: So ganz ausgeglichen waren die Touren nicht, da gebe ich den Kritikern recht, um sich ein eigenes Bild zu machen, sollte man an den Touren der Palästinensern, Siedler UND der Soldaten teilnehmen. Letzteres, nennt sich Breaking the Silence, ist eine NGO (non-governmental organization), und “ist eine israelische Bürgerrechtsbewegung von ehemaligen und aktiven Soldaten der israelischen Armee, die insbesondere eine Plattform für deren Berichte über ihre Erlebnisse in den besetzten Gebieten bietet” (vgl. Schovrim Schtika – Wikipedia) und somit Klarheit verschaffen, was ihrer tägliche Arbeit ist (in der Westbank und im Gaza) und womit sie zu kämpfen haben – sowohl auf israelischer (Siedler) als auch palästinensischer Seite. Bei beiden nicht ganz beliebt, gibt es darüberhinaus natürlich weiteren Klärungsbedarf. Viele Israelis wissen ohnehin nicht was dort wirklich abgeht, somit stellen diese die eigentlich Zielgruppe dar. Im Endeffekt ein Ventil um die Erlebnisse festzuhalten und die Welt aufzuklären (Details Breaking the Silence). Allerdings muss man auch hinterfragen inwiefern diese Berichte (Testemonies) wirklich unabhängig sind oder gar erfunden wurden. Denn diese Geschichten sind auf der Tour immer und überall präsent (download hier). Kritiker werfen der Organisation vor nicht unabhängig zu sein und Gelder von Terrororganisationen anzunehmen. Was bekannt ist, ist das sie internationale Spenden bekommen sowohl von privaten Organisationen als auch von Regierungen wie Spanien und Großbritannien.
Das sagt der Spiegel(deutsches Zeitung) zu den Touren und den Organisatoren: “Anders als bei den meisten seiner Kameraden, die über ihre Dienstzeit in Hebron lieber schweigen, regte sich bei Jehuda irgendwann das Gewissen. Er gründete 2004 mit ein paar Gleichgesinnten "Breaking the Silence". Die Organisation sammelt Augenzeugenberichte von Veteranen, veranstaltet Ausstellungen und bietet eben Touren ins Westjordanland an. Was in Hebron geschieht, soll nicht länger verschwiegen werden.”
“Die Polizisten beschützen eine etwa 40-köpfige europäische Touristengruppe – das gehört zum Alltag im von Israel besetzten Westjordanland. Dabei geht weniger um mögliche Attentate palästinensischer Terroristen, vielmehr sind die jüdischen Siedler von Hebron das Problem. Ihr Zorn richtet sich gegen Jehuda und und seinen Kollegen Ayyal, vor allem aber um deren Botschaft an die Besucher. Beide sind israelische Juden, Ende 20, und beide waren hier als Elitesoldaten stationiert. Sie kehren auf Friedensmission zurück. Aus eigener Erfahrung vermitteln sie Touristen, wie die Palästinenser unter der israelischen Besatzung leiden. “ (GeisterstadtHebron: Tour gegen das Schweigen)
Spiegel TV über Hebron, die Breaking the Silence Organisation (eine Freundin gibt einen Kommentar ab: Grüße nach Konstanz
)
Weiteres Video auf Spiegel TV:GeisterstadtHebron: Tour gegen das Schweigen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Reise
Tour 1 – Hügel um Hebron
Also zunächst traf man sich in Jerusalem nicht weit vom Busbahnhof und fuhr dann in einem Reisebus in die Westbank in Richtung der Siedlungen um Hebron herum. Diese liegen eigentlich immer auf Hügeln.
Wieso stehen Siedlungen eigentlich auf Hügeln?
“Um Schutz vor palästinensischen Angriffen zu gewährleisten, werden die jüdischen Siedlungen im Westjordanland stets auf Hügeln errichtet, von denen aus man auf die palästinensischen Dörfer und Städte hinabblickt. Die Unterhaltung des Siedlungsprogramms ist ein gigantischer logistischer Aufwand, fast alles muss aus dem israelischen Kernland importiert werden: Fernseher, Wohnzimmerschränke, Windeln, Lebensmittel.
Im Gegensatz zu den Palästinensern dürfen sich die jüdischen Siedler im Westjordanland frei bewegen. Sie verfügen über eigene Straßen, die weiträumig palästinensische Orte umfahren. Und sie können die Kontrollpunkte der Armee ungehindert passieren. Den Siedlern fehlt es in ihren Städten und Dörfern an fast nichts, kaum ein Wunsch bleibt offen.” (Die Siedlungen im Westjordanland)
Weiteres zur Siedlungspolitik Israelische Siedlung – Wikipedia. Teilweise sind diese auch illegal gebaut und finanziert durch die israelische Regierung (mal mit, mal ohne Wissen des Präsidenten) (Israelische Behörden förderten illegale jüdische Siedlungen – netzeitung.de)
“Meist wird eine Siedlung auf einem kargen, steinigen Hügel errichtet, der seit Tausenden von Jahren nicht mehr bewohnt ist. Manchmal, wie zum Beispiel bei Shiloh, werden Siedlungen an der Stelle gebaut, wo sich früher eine alte jüdische Stadt befand. In anderen Fällen, wie bei Hebron und Gush Etzion, wird die jüdische Siedlung an der Stelle einer älteren Ortschaft gegründet, die während oder kurz vor Israels Unabhängigkeitskrieg von arabischen Armeen zerstört wurde.” (siehe Christlichen Freunden Israelischer Siedlungen)
So weit so gut, was halt nicht passt ist, dass die Siedler “nur” ein Camp (ein sog. Outpost) aufschlagen müssen, eine Synagoge nach einer Woche bauen (denn die brauch man ja) und schon hat man das Militär auf seiner Seite, da diese ja “nur” ihre Einwohner beschützen will – egal wo! Man stelle sich also diesen kahlen Hügel vor, mit ein paar Camps, und ein paar wenigen Soldaten. Diese Soldaten brauchen dann natürlich auch vernünftige Wege, also werden Straßen gebaut, Wasserleitungen gelegt etc. Werden die Dörfer größer müssen natürlich wieder mehr Soldaten her, usw. es dreht sich als im Kreis und das in einem gesetzlosen Vakuum. Wer dem zu nahe kommt muss umsiedeln! Vor allem wenn man zufällig eine alte Synagoge von vor Tausenden Jahren findet – was ist eigentlich wenn dort eine alte Moschee gefunden würde oder eine Kirche? Aber nun gut hier ein paar Eindrücke:
Eines der besagten Dörfer die umsiedeln mussten.
Nicht weit, eine Siedlung, die von Soldaten bewacht wird. Während wir eine Führung bekommen, kann man schon in der Entfernung sehen wie die Soldaten unruhig werden – na hoffentlich kommen sie nicht gleich her.
Und dann kommen sie doch – zumindest
näher und warten. Anschließend gab’s dann ne Eskorte während der gesamten Tour – wer schützt nun wen?!
Hier schön zu sehen die Siedler/Soldaten in Zivil kann man nicht so deutlich erkennen.
Die Siedlung die beschützt wird – sieht ja eig. nett aus (links). Aber wenn man daneben mal die Zelte des Flüchtiglingslager auf der rechten Seite sieht, kann man sich schon Fragen wieso die Flüchtlinge nicht beschützt werden:
Auf dem rechten Bild sieht man ein altes Wasserloch, was mit Müll und allem vollgekippt wurde und teilweise von Siedlern und Soldaten mit schweren Gegenständen abgedeckt wurde. Heute dient es wohl nur noch um Haustiere zu halten.
Die Stadt ist in zwei große Bereiche aufgeteilt – H1 und H2. H2 gehört zu Israel, H1 zu Palästinensischen Autorität (wohlgemerkt ist beides im Gebiet A, was eigentlich zur Palästinensischen Autorität. gehört) (Geschichte Hebrons; Neuzeit (Israels Sicht): Hebron: 400 Juden und 200.000 Araber sowie Wikipedia/SPIEGEL ONLINE – Hebron)
Andere Quellen stützen sich auf 800 Juden und 180.000 Araber plus die zusätzlichen 600 Soldaten.
Auf dem Weg dorthin fuhren wir zunächst durch das C-Gebiet (Israel), wobei die Straße C war und der Berg über uns A. Also wie es denen gerade passt.
Weitere existierende Probleme – auch Level der Sterilisation (so nennt es die Organisation) – sind Reiseverbote für Palästinenser, Verbot zur Eröffnung von Shops und drittens die Eingänge zu barrikadieren, so dass man nur noch über die Fenster hinein kommt oder über den Garten. Dazu kommen Separations um die Leute zu kontrollieren und gewisse Tactics on the ground, wie Ruhestörungen, das Einbrechen in Häusern etc.
Hier ein paar Aufnahmen, die nicht während der Tour entstanden sind – aber die typischen Bilder und Problemstellen von Hebron aufzeigen. Das wollte man uns vllt. nicht zeigen – wer weiß:
(links die Separation auf der Straße. Der Linke, kleinere Teil, gehört den Arabern. Auf dem rechten Bild ein Netz, voll mit Müll was die oben lebenden Juden auf die unten lebenden Araber geworfen haben…)
So zurück zur Tour:
Die Geisterstadt wird hier ganz deutlich. Alle Shops geschlossen, Soldaten patrouillieren und wir mitten drin… früher war es sehr belebt hier, bis die Probleme begonnen. Dazu gehören Scharfschützen der Palästinensern, genau wie die Reaktionen der Siedler und der Soldaten, die dazu beigetragen haben – wer angefangen hat weiß keiner.
Man sieht überall Wachtürme, Soldaten… die rechte Abbildung brauch ich wohl nicht zu kommentieren …
Ab hier wurds dann spannend. Wir wurden von Juden (trotz jüdischem Tourguide) mit Müll beworfen, beschimpft und mit Wasser bespritzt (halb so wild, aber da merkt man mal wie früh die Kinder schon solche Gedanken haben – die Soldaten um uns herum griffen auch erst spät ein).
FAZIT: Richtig spannend wird es erst wenn man sich die
Heiligen Städte der Juden, Christen und Moslems ansieht. Vor allem der Streit um das Grab Abrahams: Der Patriarch wird als Ibrahim auch von den Muslimen verehrt. Hier liegt das zentrale Problem des gesamten Konflikts: Das gesamte Land ist den drei Weltreligionen heilig (siehe Old City in Jerusalem). Und eben dieses Grab liegt wo? Genau, in Hebron in der Westbank! (Details siehe hier)
Und dann noch bewaffnete Siedler, direkt vor dem Grab:
Weitere Links
Israel’s death squads: A soldier’s story – Middle East, World – The Independent
Die Geschichte der Siedlungspolitik | Nahost | Deutsche Welle | 22.07.2009
Hebron – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
Israel: Hinter der Mauer (3) – Krieg an Vaters Grab – Politik – sueddeutsche.de
Videospezial Israel: Heiliges Land, zerrissenes Land – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
[...] die Breaking the silence tour (siehe hier – Tag 165) – wurde schon berichtet, genauso wie über Weihnachten in Betlehem (siehe hier – [...]
Von: Days 148–208: Summary… « Johnny in Tel Aviv am Februar 26, 2011
um 1:24 am
Die Touren sind sehr interessant. Fahre im Nov. 2011 nach Israel – wo kann ich die Touren buchen?
Gisela
Von: gisela dahme am August 19, 2011
um 8:00 pm
Hallo! Ich habe die Organisator direkt über die Webseite kontaktiert. http://www.breakingthesilence.org.il/tours/4, einfach für eine Tour regestireren. Bezahlt wird erst im Bus. Spannende Erlebnisse wünsche ich!
Von: Johnny am August 20, 2011
um 8:50 am